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Klettertourenwoche in Orpierre
(Provence, Südfrankreich)
 

Teilnehmer: keine Angaben

Leiter: keine Angaben

 
Samstag, 3. - 10. Oktober 2009

Einfach weg! Abschalten und Ferien machen. Den Alltag mit all seinen Verpflichtungen hinter sich lassen. Das hat mich dazu bewogen mich für diese Tourenwoche anzumelden. Ich wusste nicht genau, worauf ich mich da einlassen werde. Bis anhin bevorzugte ich es, die Berge mit Joggingschuhen, Bergschuhen und Steigeisen oder mit Skiern zu besteigen. Aber eine ganze Woche mit Kletterfinken und all dem Metall am Klettergurt?

Geleitet wird die Woche von Huby Stählin und Elmar Schnellmann. Mit Gustav Schnyder, Reto Hermann und Walter Diethelm sind weitere ambitionierte Kletterer mit von der Partie. Ja sogar der Präsident Urs Lehmann will ein Wort mitreden. So machen wir uns früh am Samstagmorgen 3. Oktober auf die Reise gen Süden. Um halb neun Kaffeehalt in Payerne. Eine Stunde später rollen wir über die Grenze. Kurz nach Grenoble Mittagsrast. Wir erinnern uns noch Tage später an den Lapin, der uns aufgetischt wurde!

 

Frühnachmittags in Orpierre angekommen, kann uns (oder zumindest die Klettererfahrenen) nichts mehr halten und wir stürmen mit vollbepackten Rucksäcken ins Klettergebiet Château, direkt hinter dem Dorf. Es herrscht reger Betrieb, vor allem an den sonnenbeschienenen Hängen. So weichen wir auf Routen aus, die mir ein erstes Kopfschütteln hervorrufen. Gleich der Einstieg ist schon überhängend! Mit der Hau-Ruck-Methode mogeln wir uns über die erste A0-Stufe empor. Meine Beine sind noch ziemlich wacklig und unsicher. Nach rund zwei Stunden genehmigen wir unser erstes Bier und ich frage mich, wie ich wohl die nächsten Tage überstehen werde?

Etwa 5 km ausserhalb Orpierre beziehen wir das Hotel Le Céans. Walter strahlt, nachdem er endlich die Gewissheit hat, dass er den Schlafsack und das Mätteli vorderhand nicht benötigt. Das Abendessen schmeckt und schon bald ist Nachtruhe angesagt. Wir sind alle müde von der langen Reise.

 

Nach einem feinen Frühstücksbuffet und kurzem Breafing fahren und steigen wir zu unserem Ausgangspunkt hoch. Leider sind auch hier unsere vorgesehenen, einfacheren Routen belegt – on parle Schwiizerdütsch! Elmar lässt uns deshalb gleich an 5-er Routen ins eiskalte Wasser springen. Bereits auf halber Höhe verlassen Walter und mich die Klettergeister! Unsere zwei Leiter sind gefragt! Mit diversen Einseillängenrouten und Standplatztheorie vergeht die Zeit wie im Fluge. Beim Vesperbier wird schon der nächste Tag geplant.

Vor dem Nachtessen steht noch eine spezielle Herausforderung auf dem Programm. Der Schreibende hat seine Slack-Line von zu Hause mitgenommen und demonstriert Eleganz, Flexibilität und Konzentration auf dem 3 cm schmalen, wackeligen Band. Vorwärts, rückwärts und Drehungen gelingen wie auf Kommando. Reto und Elmar zeigen viel Geduld und schaffen es nach rund eineinhalb Stunden, für zwei Sekunden auf dem Band zu stehen! Ja, es ist auch hier noch kein Meister vom Himmel gefallen und sie stellen ernüchtern fest, dass diese Fortbewegungsart doch nicht so leicht zu erlernen ist, wie es den Anschein macht.
 

Wir beschliessen am nächsten Morgen einen längeren Anmarschweg in Kauf zu nehmen. Aber auch hier treffen wir, wie schon tags zuvor, auf Landsleute. C'est la monde – Grande et quand même petite. Wiederum weichen wir aus. Elmar und Huby wollen uns Routen im Schwierigkeitsgrad 5c schmackhaft machen. Mit viel Unterstützung und dem Psychosäckli schafft unser Präsident eine 5c+ im Vorstieg. Chapeau! Pardon, Helm ab, vor dieser Leistung. Mir schaudert beim Hinaufschauen. Aber schlussendlich schaffe auch ich diese Route und zum ersten Mal kommt neben einer üblichen Portion Respekt auch ein gutes Stück Zufriedenheit und Stolz auf. Um das Niveau zu festigen, jagt uns Elmar gleich nochmals in Top-Rope-Manier die Wand hoch. C'est bon pur le moral, meint er. So beschäftigen wir uns ganztags mit rauf und runter, mal besser mal schlechter.

                                                           
 

Den guten Eindruck, den alle Teilnehmer während den ersten Tagen hinterlassen haben, bewegen Huby und Elmar dazu, uns für Dienstag eine Mehrseillängenroute in 8 Etappen vorzuschlagen. Mit einer Dreierseilschaft Elmar, Gusti und Reto, sowie zwei Zweierseilschaften Huby mit Urs und Walter mit dem Schreibenden, wagen wir uns an „Brazil“ (170 m – 8 Longeurs – 5c+! 2001 von Pierre.Yves zu Ehren seines aus Brasilien eintreffenden Sohnes Everton eingerichtet. Eine sehr homogene Mehrseillängentour auf Platten in den Schwierigkeitsbereichen 5b und 5c) . Wir sind stolz darauf, in abwechselndem Vorstieg nach rund vier Stunden, über das letzte und zugleich schwierigste Hindernis, den Gipfel erreicht zu haben. Für den Rückweg haben unsere Guides die Abseilrouten ins Visier genommen. Einmal 35 m und einmal 40 m, laut Kletterführer. Elmar bewaffnet sich am zweiten Stand mit den restlichen Seilen und entschwindet in der Tiefe. Nach längerem Warten wird das Seil endlich entlastet und wir können hinterher. Unterwegs müssen wir an einem Stand nochmals „umfädeln“, denn für die zweiten 40 m reichte ein 50 m-Seil nicht aus! Irgendwo fehlten 20 Meter! Welche Überraschung, wenn du Ende Seil noch 20 Höhenmeter zu überwinden hast! Darum hatte Elmar also vorsorglich alles Nylon mitgenommen. Zufrieden und begeistert begiessen wir einen weiteren wunderschönen und erfolgreichen Tag.

Während dem Nachtessen wird Elmar vom Höhenrausch befallen. Nicht wegen des feines Weines und schon gar nicht wegen Madame Roux, sondern eher aus seiner Planung des nächsten Tages. Sein Tourenvorschlag sagt mir an diesem Abend nicht viel und ich erkundige mich auch nicht selbst in unserem Kletterführer. Aber als am nächsten Morgen am Frühstückstisch ausgiebig diskutiert wird, wer mit wem und wer im Vorstieg, frage ich mich, was ich zu erwarten habe? Bis anhin nahm ich es vorweg, so wie's kam. Ich war ja völlig unerfahren und liess mich führen. Aber die nicht enden wollenden Diskussion und die Unentschlossenheit Einzelner liessen mich auch etwas verunsichern. Das Wetter zumindest versprach einen wunderschönen und warmen Herbsttag.

 

Elmar hat entschieden und so stehen wir zwei Stunden später, ohne Gusti, der sich einen Freitag gönnt, mit drei Zweierseilschaften am Einstieg zu „Le dièdre sud“ (170 m – 7 Longeurs – 5c, Ein wahrer Klassiker gleich oberhalb des Dorfes. Die Route stammt aus der Zeit in der es Klettern noch gar nicht gab und in Orpierre Alpinisten trainierten. Risse, Verschneidungen, steile Wände, Tropflöcher – hier sind alle Kletterseile vertreten. Es gibt sogar einen hübschen Quergang nach „Le grand Jardin“, den Nicolas der Route hinzugefügt hat. Niveau 5c wird vorausgesetzt, 5b für den Nachsteiger) .

Ein angegrauter Engländer hat sich schon eingerichtet und sucht noch seine Begleiterin. Wir warten und ich schaue mal die Wand hoch, mal zu meinem Seilpartner Urs und mal in mein Inneres. Dieses wird umso schüchterner, je länger das Warten dauert. Verlässt mich nun ausgerechnet in der Königsetappe unserer Kletterwoche mein innerer Schweinehund?

Ich bin froh, als es endlich losgeht und Urs die erste Seillänge übernimmt. Das Warten hat an meinen Nerven gezehrt. Unsicher und mit einem mulmigen Gefühl im Bauch steige ich hinterher. Es klappt mit Hilfe eines eisenfesten Tritts! und einem langen Express! noch ansprechend. Die zweite Länge in der Verschneidung darf ich führen. Ohne Probleme und Mogeleien erklimme ich die zweite Seillänge bis zum nächsten Stand.

 

Urs und ich kämpfen uns, abwechselnd im Vorstieg, die Wand des Quiquillon hoch. Nach der vierten Seillänge klettern wir so frei, dass bereits wieder flotte Sprüche die Runde machen. Oder ist es am Ende doch nur ein Ablenkmanöver vor den noch vor uns liegenden, anspruchsvollen Höhenmetern? Mit den letzten Reserven an Kraft und Psyche stehen wir um 14 Uhr auf dem Gipfel. Juhuiii! Ich glaub, ich spreche auch für andere Teilnehmer, wenn ich für mich festhalten kann, dass ich in dieser Kletterwoche einmal mehr über mich hinausgewachsen bin.

Relativ zügig geht's anschliessend ans Abseilen. Wir kennen die Route ja bereits. Elmar sichert oben und Huby steigt sogleich ab. Ich folge, mit einem weiteren Seil im Rucksack, zur zweiten Abseilstelle. Da wir vom Vortag her wissen, dass ab der zweiten Abseilstelle noch 60 Höhenmeter zu überwinden sind, installieren wir die zwei 60 Meter langen Einfachseile. Die Enden fein säuberlich zusammengeknöpft, entschwindet das Seil vom Winde verweht in der Tiefe. Abseilachter und Prusik montiert und ich hinterher. Mit Erstaunen stelle ich halb unten fest, dass das eine Seil brav senkrecht hängt, das andere jedoch wie eine Wäscheleine horizontal in der Wand! Alles Rütteln und Schütteln bringt nichts. None d'une pipe! Was mach ich Greenhorn nun? Wie aus dem Nichts präsentiert sich zwei Meter rechts von mir ein Standplatz. Meine Rettung - zumindest vorerst, und ich kann Huby durch Zurufen auf meine missliche Lage aufmerksam machen. Der Rettungsversuch von Huby misslingt und er hängt rund 10 Meter unter mir in der Wand fest! Jetzt kann nur noch Supermann helfen, denke ich. Akrobatisch schwingt sich Elmar in die Tiefe, hangelt sich in der senkrechten Wand rund 20 Meter westwärts und löst das in einer tiefen Kerbe festgeklemmte Seil. Nach mir unendlich lange vorgekommenen Minuten kann ich mich wieder einfädeln und die Reise auf festem Boden beenden. Danke Elmar! Für Gesprächsstoff während dem Feierabendbier ist auf jeden Fall gesorgt. Mit Seiltanz und jouer aux boules vertreiben wir uns die Zeit jusque la diner.

Der Donnerstag soll etwas gemütlicher angegangen werden. Der Schreibende selbst gönnt sich einen kletterfreien Tag. Er schreibt Karten während der Kaffeepause und schlendert auf der Suche nach interessanten Sujets durch die alten Gassen von Orpierre. Per pedes gelangt er nach einem einstündigen Fussmarsch zurück ins Hotel. Für Urs und Walter bringt der Tag ein weiteres Highlight – Sie schaffen eine 6a-Route im Vorstieg. Chapeau! Gusti und Reto mühen sich derweil mit zusammengeknöpften Kletterfinken den Berg hoch. Auf jeden Fall gönnt ihnen der Tag schöne Ausblicke und tiefe Einblicke!

 

„Geschmeidigkeit, Rhythmus, Eleganz, etwas mehr als nur eine gymnastische Leistung: Kletterer oder Meistertänzer? Im vorliegenden Fall führt der Maître zur Einführung in eine Mehrseillängentour der Schwierigkeit 5a mit einer kleinen 5b-Schlüsselstelle in L4. Dabei wird Ihnen wahrscheinlich L3 mit ihrem horizontalen Quergang über dem Nichts am eindrücklichsten in Erinnerung bleiben.“ So umschreibt der Kletterführer „Le maître de la danse“ (90 m – 6 Longeurs – 5b). Da ich heute mit Elmar eine Seilschaft bilde, muss oder darf ich die ganze Führungsarbeit alleine leisten. Wer ist da der Führer und wer der Gast! Der Abstieg führt über die „Ascle-Bresche“ zurück an den Ausgangspunkt. Aber Halt, noch ist nicht Feierabend. Da die Uhr erst halb zwei zeigt, zieht es uns noch an den „ Belleric“ / Coté Mines . Das schöne Wetter und die gute Laune treibt uns noch ein-zweimal die Wand hoch. Huby und Elmar demonstrieren uns derweil ihr Können in einer anspruchsvollen 6-er Route. Wir verneigen uns! Just als ein Platzregen einsetzt, sitzen wir im Kletterbeizli und erlösen unsere trockenen Kehlen.

Ca nous a fait plaisir et nous nous amusons bien le dernier soir. Mit einem feinen Dessert und mit einem exquisiten Marc, den Huby übrigens wie Wasser die Kehle runterspült, beschliessen wir eine unfallfreie, kameradschaftliche, sportlich sehr erfolgreiche, von Schlechtwetter verschonte, sonnenverwöhnte, kulinarisch mit Hochs und Tiefs gespickte Kletterwoche in Orpierre. Ich bedanke mich im Namen aller Teilnehmer bei Huby und bei Elmar für ihre Initiative, die seriösen Vorbereitungen und Durchführungen der tollen Touren dieser Tage, sowie bei unseren Chauffeuren Gusti und Huby für die angenehme Reise. Speziellen Dank auch meinen verschiedenen Seilpartnern. Sie haben mir Vertrauen geschenkt in meine Fähigkeiten und sehr viel dazu beigetragen, dass ich mich während der ganzen Woche wohl fühlte und ich nie mit Ängsten in den Seilen hing. Diese Woche wird uns allen sicher noch lange in bester Erinnerung bleiben und für die Teilnahme an weiteren Kletterevents des SAC Zindelspitz animieren.

 
René Kistler
 
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Bilder
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